Ausgezeichnete Nachwuchsförderung

Der Nachwuchs wird beim Ruderclub Hansa groß geschrieben. Zahlreiche Vereinstrainer und Übungsleiter kümmern sich um die jungen Ruderer. Vom täglichen Training bis hin zu Regatten und Trainingslagern: das Hansa-Trainerteam ist für die 10- bis 18-Jährigen da.

Juniorinnenvierer mit Hanseatin Sina Geigenmüller beim Training für die U23 Weltmeisterschaft 2009.
Sina Geigenmüller vom Ruderclub Hansa (3 v.l.) saß 2009 bei der U23 Weltmeisterschaft im Vierer.

Von den ersten Schlägen bis zur Weltmeisterschaft

Die Jüngsten lernen spielerisch die ersten Schläge in einem Ruderboot. Für die Älteren geht es hingegen auch schon einmal auf Internationale Regatten. Seit 1994 schafften über ein Dutzend junge Hansa-Ruderer die Teilnahme an der Junioren-Weltmeisterschaft und holten dort zahlreiche Medaillen. Das Training der Junioren umfasst neben Rudern auch Ergänzungssport wie Laufen, Hallenzirkel, Ballspiele, Radfahren sowie Dehnungs- und Kräftigungsgymnastik. Neben den Regattakindern trainiert am Club außerdem eine Breitensport-Gruppe, in enger Anbindung an die anderen Trainingsbereiche.

Ist Rudern der richtige Sport für meine Kinder? Hansa Trainer Frank Flörke beantwortet die wichtigesten Fragen.

"Rudern ist eine Schule für das Leben"

Frank Flörke, hauptamtlicher Trainer Ruderclub Hansa
Frank Flörke ist hauptamtlicher Trainer des Ruderclub Hansa

Wer eine neue Sportart ausprobieren will hat oft viele Fragen. Genauso geht es den Eltern, die ihre Kinder zum ersten Mal zum Rudern schicken. Hansa-Trainer Frank Flörke gibt in diesem Interview die wichtigsten Informationen. 

Frage: Der Ruderclub Hansa bietet Rudertraining für Kinder und Jugendliche an. Für welche Altersklassen gibt es dieses Angebot?

Frank Flörke: Wir haben hier drei verschiedene Altersbereiche. Zuerst den Kinderbereich bis 13/14 Jahre, wo die Kinder das Rudern in den groben Zügen lernen. Dann gibt es die B-Junioren, das ist die Altersklasse der 15/16-Jährigen. Und die letzte Juniorenklasse sind dann die A-Junioren mit 17/18 Jahren. Danach endet das Juniorentraining. Die jungen Ruderer haben hier die Möglichkeit, den Sprung in das Leistungszentrum und damit in die Bundesspitze zu schaffen. Oder sie rudern eben im Hobbybereich des Clubs weiter. Natürlich sind bei uns auch Kinder und Jugendliche willkommen, die sich entscheiden, nicht den Leistungssportweg einzuschlagen. Hier bietet der Club eine eigene Breitensportgruppe, die zeitlich an die anderen Trainingsbereich angebunden ist.

In welchem Alter sollten Kinder denn am besten mit dem Rudern anfangen?

Am besten ist es, erst ab zehn Jahren mit der Ruderei zu beginnen. Erst in dem Alter haben die Kinder auch die entsprechenden körperlichen Voraussetzungen. Das Muskel- und Knochenkorsett ist dann einfach stabiler als mit sechs oder sieben Jahren. Und die Kinder sind auch schon groß genug, um mit den Booten umzugehen. Denn im Rudern sind die Größenunterschiede zwischen Erwachsenenmaterial und Kindermaterial eher gering. Wenn Kinder rudern wollen und noch nicht alt genug sind, dann ist es sicherlich gut, sich zur Überbrückung in anderen Sportarten zu tummeln, um erste motorische Erfahrungen zu sammeln.

Wie sieht das Training für die jungen Ruderer genau aus?

In der jüngsten Altersklassen lernen die Kinder erst einmal das Rudern, also vor allem die technischen Fertigkeiten und auch Bootskunde. Aber es werden auch sehr viele Dinge an Land gemacht: spielerisch koordinative Fähigkeiten geschult, allgemeine motorische Fertigkeiten und Kondition. Im älteren Bereich wird dann mehr Wert auf spezifische Grundlagen gelegt und es geht darum, die Ausdauer noch mehr zu fördern. Und dann, ab einem bestimmten Alter auch die Kraftfähigkeit. Denn Rudern ist letztendlich auch ein Sport, bei dem neben der Ausdauer Kraft gefordert ist. Beides sind wichtige Voraussetzungen, um Erfolg zu haben.

Was ist das Besondere am Rudern, im Vergleich zu anderen Sportarten?

Erst einmal ist das die Auseinandersetzung mit einem Gerät, dem Boot, was auch eine Herausforderung ist. Dann treiben wir Sport an der frischen Luft. Das ist sicherlich ein großer Pluspunkt gegenüber Sportarten, die nur in der Halle betrieben werden. Und zuletzt - der ganze Körper und Organismus ist an der Ruderbewegung beteiligt und profitiert demnach auch davon. So wird zum Beispiel die Rückenmuskulatur gestärkt.

Welche Chancen bietet der Sport für Kinder und Jugendliche?

Auch da muss man wieder den Vergleich zu anderen Sportarten ziehen. Im Fußball, Handball oder Basketball spielt man sicherlich eher auf Kreisebene. In der Ruderei kommt man hingegen ganz schnell auf Landesebene - oder sogar auf Bundesebene. Es ist so, dass wir regelmäßig an Landesmeisterschaften und Deutschen Meisterschaften teilnehmen. In den letzten Jahren hatten wir dann immer auch Aktive, die sogar zur Junioren-Weltmeisterschaft gefahren sind. Man kann in der Ruderei also recht schnell auf hohem Niveau Erfolg haben. Schon die Kleinsten nehmen auf Landesebene an Regatten teil und können da im Anfängerbereich erste Erfolge verbuchen.

Wie viel Zeit müssen die Kinder denn in das Training investieren?

Die Kleinsten trainieren drei Mal die Woche. Beziehungsweise sie haben die Möglichkeit, drei Mal zum Training zu kommen. In dem Alter ist das nicht so wichtig, ob sie wirklich jedes Mal dabei sind oder nur einmal in der Woche an dem Tag, an dem gerudert wird. Zeitlich muss man da mit etwa zwei Stunden pro Training rechnen, inklusive dem Raus- und Reintragen der Boote. Im B-Junioren-Alter trainieren wir dann an fünf Tagen in der Woche. Und im ältesten Bereich, wenn sich die jungen Ruderer für den Leistungssport entschieden haben und auch mal an internationalen Wettkämpfen teilnehmen wollen, müssen sie schon täglich trainieren. Da sind das dann zwischen zwei bis drei Stunden pro Training inklusive Umziehen und Duschen.

Das ist ja vor allem für die älteren Junioren schon viel Training. Ist Leistungssport nicht allgemein ungesund?

Letztendlich muss man nicht darum herum reden, dass Leistungssport nicht das Allerbeste für den Körper ist. Rudern gehört da aber noch zu den gesündesten Sportarten, weil da einfach der ganze Körper gefordert ist und gefördert wird. Ein anderer Grund ist, dass es keinen "Feindkontakt" gibt, wie etwa beim Fußball oder Handball. Fouls oder Rempeleien passieren beim Rudern nicht und dementsprechend ist auch das Verletzungsrisiko sehr gering. Und letztendlich beginnt ja niemand urplötzlich mit dem Leistungssport, sondern die Sportler werden darauf vorbereitet. Das Trainingspensum steigt langsam.

Welche Vorteile hat so viel Sport?

Leistungssport ist eine Schule für das Leben. Man bekommt durch den Sport sein Leben anders in den Griff, kann sein Zeitpensum besser einteilen als es etwa andere Jugendliche in dem Alter können. Die Sportler, die bei uns trainieren, müssen eben schon ein gewisses Zeitmanagement haben. Wann ist das Training? Wie lange bin ich in der Schule? Wann muss ich lernen? Da lernen die Kids einfach, sich zu strukturieren, um in allen Bereichen erfolgreich zu sein. Der Leistungssport bietet die Möglichkeit, die eigenen Grenzen kennenzulernen und sich selbst intensiver wahrzunehmen. Leistungssportler verkraften Anstrengungen - nicht nur in ihrem Sport - viel besser als untrainierte Menschen.

Wie viel kostet der Sport?

Die Mitgliedsbeiträge liegen für die unter 18-Jährigen bei 10 Euro pro Monat. Für Geschwisterkinder gibt es eine Ermäßigung. Die Kleinsten fahren auf Regatten in der Umgebung. Da kommen auf die Eltern nur sehr geringe Kosten zu. Bei den Älteren ist das ein bisschen anders. Mit ihnen nehmen wir auch schon einmal an Regatten in Gent, München oder Hamburg teil. Und dann fallen eben Kosten für Übernachtung und externe Verpflegung an. Außerdem findet für alle Altersklassen auch schon mal in ein Trainingslager statt. Was die Regattabeiträge und Bootstransporte betrifft, das übernimmt komplett der Verein. Auch die Boote werden ausnahmslos gestellt.

Förderunterricht und Freizeitspaß

Doch nicht alles dreht sich um den Sport. Über das ganze Jahr gibt es weitere Freizeitangebote wie Grillfeste, Wasserski-Laufen, Kinoabende. Im Sommer geht es mit Betreuern des Clubs auf Wanderfahrt. Und damit es auch mit dem Erfolg in der Schule klappt, bietet der Ruderclub Hansa den Kids in Kooperation mit einem Dortmunder Gymnasium einen unterstützenden Förderunterricht.

Das Förderinternat Rudern beim Ruderclub Hansa

Pauken für den Sport

Schüler und Lehrer arbeiten gemeinsam an einem Tisch während des Förderunterrichts
Beim Förderunterricht werden die Jugendlichen durch zwei Referendare individuell betreut.

Seit 1992 gibt es das Sportinternat Rudern in Dortmund. Ermöglicht wird es vom Landesprogramm Talentsichtung und Talentförderung, mit Unterstützung der Sportstiftung NRW und dem Ausschuss für Schulsport der Stadt Dortmund. Die Initiative kam damals von Ruder-Bundestrainer Ralf Holtmeier in Kooperation mit Dr. Jürgen Bagner, Lehrer am Reinoldus-und-Schiller-Gymnasium. Beide wollten verhindern, dass erfolgreiche junge Leistungsruderer den Sport aufgeben, weil ihre Eltern oder die Schule das viele Training wegen schlechter Noten nicht mehr unterstützen. Beim Förderunterricht entscheiden die Jugendlichen größtenteils selbst, was sie lernen.

Der Förderverein Hansa

Die umfangreiche Jugendarbeit des Ruderclub Hansa ist teuer. Boote, Trainingsgeräte, Regattafahrten mit teilweise über 30 Kindern und Übungsleiterpauschalen machen Jahr für Jahr einen großen Posten in der Finanzplanung des Vereins aus. Damit hier keine Einschränkungen notwendig werden, haben Jochen Opländer und Ludwig Blömeke 1994 den Förderverein Hansa gegründet. Seitdem sind eine ganze Reihe von Dortmunder Unternehmen und auch Einzelpersonen beigetreten. Mit einem Jahresbeitrag von 500 Euro unterstützen sie die erfolgreiche Nachwuchsarbeit des Ruderclub Hansa Dortmund.

Sie wünschen weitere Informationen zum Förderverein Hansa oder wollen selbst als Mitglied die Kinder und Jugendlichen des Vereins unterstützen? Mailen Sie uns oder wenden Sie sich direkt an Hans Hammermann vom Förderverein unter Telefon (02304) 7 06 14.

Hansa für vorbildliche Nachwuchsförderung ausgezeichnet

Uwe Ramfort (2.v.r.) übergibt das Grüne Band an die Jugendvertreter Nora Augustin (4.v.l.) und Daniel Berger (4.v.r.), sowie den Vorsitzenden Ulrich Hahn (5.v.l.) und Sportvorsitzenden Günther Risse (links).
Im Jahr 2007 erhielt das Ruderclub Hansa zum zweiten Mal nach 1996 das Grüne Band für seine Nachwuchsarbeit.

Der Ruderclub Hansa Dortmund erhielt 1996 und im Jahr 2007 das "Grüne Band für vorbildliche Talentförderung" von der Dresdner Bank (heute Commerzbank). Die Bank und der Deutsche Olympische Sportbund zeichnen deutschlandweit Sportvereine mit dem Preis aus. Die begehrte Auszeichnung ist mit einer Förderprämie von 5.000 Euro verbunden. Der Ruderclub Hansa wurde als einer von zwei Rudersportvereinen deutschlandweit ausgewählt, weil er besondere Erfolge in der Nachwuchsförderung vorweisen konnte.

Für die Preisvergabe misst die Jury die Bewerbungen der Vereine an den Kriterien des Nachwuchs-Leistungssport-Konzeptes des DOSB. Neben sportlichen Erfolgen zählen unter anderem Kooperationen mit Schulen, die Nutzung von Verbandsmaßnahmen, die systematische Förderung von Talenten oder die kontinuierliche Aus- und Weiterbildung der Trainer.